Das Angebot
Der Biancograt auf den Piz Bernina ist keine Tour, die man einfach abhakt. Schon beim Blick auf diese schmale, geschwungene Firnschneide wird klar, warum sie zu den großen Linien der Alpen gehört. Technisch abwechslungsreich, lang und ausgesetzt führt sie über den Nordgrat auf den Piz Bernina (4.049 m) – den einzigen Viertausender der Ostalpen.
Der erste Tag gehört dem Ankommen. Von Pontresina führt der Zustieg durch das Val Roseg hinauf zur Chamanna da Tschierva. Mit jedem Höhenmeter rückt die Berninagruppe näher, und spätestens von der Hütte bekommt man einen ziemlich guten Eindruck davon, was am nächsten Morgen wartet.
Noch in der Dunkelheit starten wir Richtung Fuorcla Prievlusa. Ab dort beginnt der eigentliche Charakter der Tour: Fels, Firn, luftige Passagen und schließlich diese unverwechselbare weiße Gratschneide, die sich wie eine natürliche Rampe Richtung Himmel zieht. Über den Piz Alv führt der Grat weiter zum Gipfel des Piz Bernina.
Am Gipfel ist die Tour allerdings noch lange nicht vorbei. Über den Spallagrat steigen wir auf die italienische Seite zum Rifugio Marco e Rosa ab, wo wir die zweite Nacht verbringen. Gerade das macht für mich einen großen Teil des Reizes aus: Wir kehren nicht einfach auf derselben Seite zurück, sondern überschreiten den Bernina und erleben den Berg von zwei völlig unterschiedlichen Seiten.
Am nächsten Tag folgt der weitere Abstieg zurück ins Tal.
Wer dafür mehr Zeit mitbringt, muss den Biancograt aber nicht als isolierte Drei-Tages-Tour sehen. Das Berninamassiv bietet sich geradezu dafür an, daraus eine mehrtägige Durchquerung von Hütte zu Hütte zu machen – mit zusätzlichen Gipfeln und einer Linie durch die gesamte Berggruppe statt nur einem einzelnen Höhepunkt. Dann wird aus dem Biancograt nicht nur eine große Tour, sondern eine kleine Reise durch eines der beeindruckendsten Hochgebirge der Alpen.
Der Biancograt ist elegant, ausgesetzt und landschaftlich außergewöhnlich – aber eben keine reine Fototour. Wer hier unterwegs ist, bekommt einen echten großen Hochtourentag mit allem, was dazugehört: früher Start, Gletscher, Firngrat, Felskletterei, Höhe und einen langen Weg bis zur nächsten Hütte. Genau deshalb bleibt diese Tour im Kopf.







